Dienstag, 7. Juni 2011

Über die Verführung von Engeln*

Alle Möbel hinaus geworfen. Auf die Straße. Alles. Einfach alles. Tisch, Stuhl, Bett. Scheiße das Bett. Und die Matratzen, Handtücher, Bettwäsche. Den Korbstuhl auf dem sie so gerne gesessen hat, das Regal, in dem ihre schlechten Romane standen und das Goldfischglas in dem wir zuletzt die Kondome hatten, nachdem sie die Pille abgesetzt hatte. Sie meinte sie hätte zugenommen, wegen der Hormone.  500 Stück hab ich gekauft, mit dem Goldfischglas. Ich hielt das für romantisch. "Wenn die verbraucht sind" hatte ich gesagt "können wir über Nachwuchs nachdenken. Vielleicht bekommst du ja einen Goldfisch hin, der schlüpft dann auch schon in zwei bis fünf Tagen."

Und einen Hund getroffen. Mit dem leeren Goldfischglas. Sie hatte die restlichen 493 Kondome mitgenommen. Die brauchte sie auch.
Wenn er an der Leine vorbei geschlichen kommt kann ich sehen, dass er immer noch hinkt. Das wird auch nicht mehr weg gehen. Vielleicht Glassplitter eingedrungen und die wandern jetzt. Armer Köter.

Die Tapeten hab ich auch von den Wänden gerissen, jetzt ist alles neu. Nichts mehr übrig, nichts was sie berührt hat, nichts was mich an sie erinnert. Nur der hinkende Hund, der zwei dreimal am Tag vorbeikommt.

Aber die Fenster und Türen, die halte ich geschlossen, seit sie weg ist.
Also hier bleiben dachte ich, in der Luft in der noch ihr Atmen ist.
Wenigstens.



*Brecht entlehnt...
(Auszug 2005)

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